Kontrastive Phraseologie: zwischen Äquivalenzsystematik und gebrauchsbasierter holistischer Beschreibung

Autori

Elmar Schafroth
Heinrich Heine University Düsseldorf image/svg+xml

Sinossi

Im vorliegenden Artikel wird zunächst der Begriff der Äquivalenz zwischen (zwei) Sprachen im Allgemeinen kritisch untersucht, bevor das Hauptaugenmerk auf die kontrastive Phraseologie gerichtet wird. Das Thema wird mit einem kurzen Überblick über die jüngsten Forschungen auf diesem Gebiet eingeführt.

Die Diskussion nimmt in einem ersten Schritt die beiden gegensätzlichen Positionen auf, denen zufolge 1. Sprachen auf allen Ebenen so idiosynkratisch sind, dass auch eine kontrastive Phraseologie aussichtslos erscheint (etwa Hausmann 1997, Taylor 2012, Schafroth 2020) bzw. 2. Äquivalenzbeziehungen auch zwischen Phrasemen a priori postuliert werden (vgl. grosso modo die zweisprachige Lexikographie inkl. idiomatischer Wörterbücher).

Sodann werden verschiedene Phrasemtypen (verbale Idiome, Phrasem-Konstruktionen, Sprichwörter, Formeln) einer grundsätzlichen kontrastiven Betrachtung unterzogen (vgl. Dobrovol’skij 2022; Mellado Blanco, Mollica und Schafroth 2022). Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen münden in ein Plädoyer für eine onomasiologische Perspektive in der kontrastiven Phraseologie einerseits (vgl. Korhonen 2007; Schafroth 2019) und eine rigoros korpusgestützte (zunächst einzelsprachliche) holistische Beschreibung mit semantisch-pragmatischem und ggf. kultursensitivem Fokus andererseits (vgl. Sabban 2007). Es soll gezeigt werden, wie auf der Grundlage vorgegebener Kategorien (semantischer Felder/Frames, Sprechakte, Gebrauchsbeschränkungen) und unter Rekurs auf konstruktionsgrammatische Prinzipien (z.B. Ziem 2018) für jedes Phrasempaar tertia comparationis erstellt werden können, die sich, wie bereits in den Projekten FRAME und GEPHRI gezeigt wurde, lexikographisch-digital umsetzen lassen (vgl. Benigni et al. 2015; Schafroth 2019; Schafroth & Imperiale 2019). Die einzelsprachlichen Unterschiede zwischen den onomasiologisch vergleichbaren Phrasemen (z.B. im syntaktischen, referentiell-semantischen, pragmatischen oder kulturellen Bereich) lassen sich in einem semasiologischen Annotationsapparat zusammenfassen. Mit einem Ausblick auf künftige mögliche lexikographische Repräsentationsformate, fremdsprachendidaktische Anwendungen und der exemplarischen und kritischen Einbindung von ChatGPT als möglichem Ersatz für eigene Korpusrecherchen schließt der Beitrag. Es werden Beispiele für Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch gegeben.

Biografia autore

Elmar Schafroth, Heinrich Heine University Düsseldorf

Elmar Schafroth è professore emerito di Linguistica romanza presso l’Università Heinrich Heine di Düsseldorf. I suoi campi di ricerca sono la lessicologia e la lessicografia, la lingua e il genere, la lingua e la musica, la linguistica variazionale, la fraseologia, la grammatica delle costruzioni e la linguistica del discorso. È autore di tre monografie, tra cui Französische Lexikographie (2014), e di numerosi articoli. È inoltre (co)editore di molti volumi collettanei, come Vergleichende Diskurslinguistik (2019, con Goranka Rocco) e di due collane scientifiche presso Peter Lang e Erich Schmidt. Nel 2025 ha pubblicato insieme a Riccardo Imperiale ed Erica Autelli il Manuale di fraseologia italiana pubblicato da Edizioni dell'Orso.

 

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Pubblicato

giugno 22, 2026

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