Kontrastive Phraseologie: zwischen Äquivalenzsystematik und gebrauchsbasierter holistischer Beschreibung
Sinossi
Im vorliegenden Artikel wird zunächst der Begriff der Äquivalenz zwischen (zwei) Sprachen im Allgemeinen kritisch untersucht, bevor das Hauptaugenmerk auf die kontrastive Phraseologie gerichtet wird. Das Thema wird mit einem kurzen Überblick über die jüngsten Forschungen auf diesem Gebiet eingeführt.
Die Diskussion nimmt in einem ersten Schritt die beiden gegensätzlichen Positionen auf, denen zufolge 1. Sprachen auf allen Ebenen so idiosynkratisch sind, dass auch eine kontrastive Phraseologie aussichtslos erscheint (etwa Hausmann 1997, Taylor 2012, Schafroth 2020) bzw. 2. Äquivalenzbeziehungen auch zwischen Phrasemen a priori postuliert werden (vgl. grosso modo die zweisprachige Lexikographie inkl. idiomatischer Wörterbücher).
Sodann werden verschiedene Phrasemtypen (verbale Idiome, Phrasem-Konstruktionen, Sprichwörter, Formeln) einer grundsätzlichen kontrastiven Betrachtung unterzogen (vgl. Dobrovol’skij 2022; Mellado Blanco, Mollica und Schafroth 2022). Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen münden in ein Plädoyer für eine onomasiologische Perspektive in der kontrastiven Phraseologie einerseits (vgl. Korhonen 2007; Schafroth 2019) und eine rigoros korpusgestützte (zunächst einzelsprachliche) holistische Beschreibung mit semantisch-pragmatischem und ggf. kultursensitivem Fokus andererseits (vgl. Sabban 2007). Es soll gezeigt werden, wie auf der Grundlage vorgegebener Kategorien (semantischer Felder/Frames, Sprechakte, Gebrauchsbeschränkungen) und unter Rekurs auf konstruktionsgrammatische Prinzipien (z.B. Ziem 2018) für jedes Phrasempaar tertia comparationis erstellt werden können, die sich, wie bereits in den Projekten FRAME und GEPHRI gezeigt wurde, lexikographisch-digital umsetzen lassen (vgl. Benigni et al. 2015; Schafroth 2019; Schafroth & Imperiale 2019). Die einzelsprachlichen Unterschiede zwischen den onomasiologisch vergleichbaren Phrasemen (z.B. im syntaktischen, referentiell-semantischen, pragmatischen oder kulturellen Bereich) lassen sich in einem semasiologischen Annotationsapparat zusammenfassen. Mit einem Ausblick auf künftige mögliche lexikographische Repräsentationsformate, fremdsprachendidaktische Anwendungen und der exemplarischen und kritischen Einbindung von ChatGPT als möglichem Ersatz für eigene Korpusrecherchen schließt der Beitrag. Es werden Beispiele für Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch gegeben.
Download
Pubblicato
Categorie
Licenza

Questo volume è pubblicato con la licenza Creative Commons Attribuzione - Condividi allo stesso modo 4.0.
