„Die Amerikaner kochen auch nur mit Wasser“ K.F.W. Wanders Sprichwortbild der Vereinigten Staaten
Sinossi
Der Beitrag beleuchtet die bislang wenig beachtete transatlantische Dimension im Werk des Parömiographen Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803–1879), dessen Deutsches Sprichwörter-Lexikon bis heute als unübertroffenes Standardwerk gilt. Entgegen einer möglichen nationalen Engführung erweist sich Wanders Sammlung als international vergleichend angelegt und ideologisch klar liberal-demokratisch fundiert. Bereits in seiner frühen, später vergessenen Studie Das Sprichwort (1836) reflektiert Wander die Migration von Sprichwörtern und verweist explizit auf die Vereinigten Staaten als künftigen Schmelztiegel sprichwörtlicher Traditionen. Besonderes Augenmerk gilt dabei Benjamin Franklin, dessen Poor Richard’s Almanack und Essay The Way to Wealth Wander nachweislich rezipiert hat. Zahlreiche von Franklin popularisierte oder geprägte Sprichwörter finden Eingang in Wanders Lexikon, teils mit expliziten Quellenverweisen. Der Beitrag zeigt, wie Wander amerikanische Sprichwortweisheiten in den deutschen Kontext integriert und zugleich kritisch kommentiert, etwa in seinem politischen Sprichwörterbrevier. Damit wird Wander nicht nur als akribischer Sammler, sondern als reflektierter Parömiologe sichtbar, dessen Interesse an der amerikanischen Sprichworttradition früh einsetzt und über Jahrzehnte anhält.
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